Improvisieren beim Blues über einen Akkord

Gitarre lernen ist manchmal auch Theorie...
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Markus
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Improvisieren beim Blues über einen Akkord

Beitragvon Markus » Sa 6. Jun 2015, 11:20

Hallo,

hätte folgende Frage:

Angenommen wir sind zwei Gitarristen. Der eine spielt einen Blues-Shuffel in A als Begleitung zu einer Improvisation. Also etwa so:

A7 A7 A7 A7
D7 D7 A7 A7
E7 D7 A7 E7

Wenn er also die ersten vier Take A7 spielt, kann ich mit irgendwas dazu improvisieren (Modes). Wenn er dann den einen Takt E7 schlägt, improvisieren ich wieder anderst dazu. (es gibt ja verschiedene Modes)

Sagt man dann, ich improvisiere über einen Akkord? oder was genau muss man mit dieser Aussage verstehen?

Würde mich über Antworen freuen.

Viele Grüße
Markus
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Markus
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Re: Improvisieren beim Blues über einen Akkord

Beitragvon Markus » Mo 8. Jun 2015, 15:10

hm, meine Frage ist dann doch wohl etwas zu speziell. Macht nichts....ein Versuch war es wert ;)
Zuletzt geändert von Markus am Mo 8. Jun 2015, 15:24, insgesamt 1-mal geändert.
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korgli
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Re: Improvisieren beim Blues über einen Akkord

Beitragvon korgli » Mo 8. Jun 2015, 15:24

Tja Markus
Einfach die blues-Skala spielen - ist zwar ein wenig langweilig auf Dauer.
http://de.wikipedia.org/wiki/Bluestonleiter

Besser Ohren spitzen und loslegen.
Das kommt nur beim spielen richtig zum Vorschein. Vergiss allzusehr drumherum zu studieren.
Fang an...

fredy
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Markus
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Re: Improvisieren beim Blues über einen Akkord

Beitragvon Markus » Mo 8. Jun 2015, 15:27

Fredy: ich habe angefangen damit und da bin ich gut dabei. Dennoch möchte ich verstehen, was das genau bedeutet, wenn so eine Aussage im Raum steht :-)
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Re: Improvisieren beim Blues über einen Akkord

Beitragvon korgli » Mo 8. Jun 2015, 15:33

Genau da liegt doch dein Problem.
Du möchtest verstehen. - warum verstehen - Musik muss man fühlen, nicht verstehen.

Oder meinst du die Ureinwohner mit ihren herrlichen Rythmen verstehen was sie trommeln. (ich mein in Noten ausgedrückt)
Neee - die legen den Lebensrythmus in die Trommeln - z.t. in Trance.

Oder zum Blues zurück - meinst die Urblueser haben genau gewusst was sie da so spielen ?
Neee - es ist das ureigenste Gefühl, dass sie da abgeben.
Klar mit ner Portion gutem Musikgehör.
Am Anfang gibts zwar viele schräge Töne - aber das wird sich schon noch verbessern.

Gut ist natürlich auch, wenn man ein paar "Licks" einstudiert.
Das sind kleine Tonfiguren, die man immer wieder mal hört. Sozusagen Standardzeichen.
Aber wir redne ja von der Improvisation.

Leider denken viel zu viele, viel zu viel nach - anstatt Musik zu machen.
Es ist ja nicht verboten, drüber nachzudenken - aber erst danach...

Guck - es gibt ca. 12 Grundtöne.
Die wiederholen sich immer mal - je nach Mischung sind sie dann ein wenig anders zusammengesetzt.
Aber dann gibts noch Bending - Hammering Slapping usw. Und allgemeine Rythmik natürlich.
Damit kannst du 1000000000 Nuancen erklingen lassen - und genau da liegt dann der Blues - oder allgemein Musik.
Bei Akkorden ist es doch ähnlich - Zuerst kommen die "normalen" Akkorde - dann verzierungen - dann Anschlagtechnik usw.
All das ist eben das Was Töne zu Musik macht. Aber nicht einfach stur eingelerntes.
Eben - aus sich rauskommen - Töne verbiegen - Töne leben -
Wie man das macht - tja - Sau rauslassen....

Sorry - meine Ansicht über Musik ist nicht kompatibel mit allen.

fredy
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Re: Improvisieren beim Blues über einen Akkord

Beitragvon Ralf » Mo 8. Jun 2015, 16:18

Bin da ganz bei fredy

Also Markus ...
als Grundthematik kannst du bei dem von dir genannten Blues-Schema die Pentatonik (ausgehend Grundton A, 5. Bund E-Saite) spielen. Natürlich geht da eine Menge mehr, z.B. ein ständiger Wechsel von A-Pentatonik zur A-Moll (!) Leiter zur Paralleltonart F# (wieder als Pentatonik, 2. Bund) plus diverser Blue-Notes (meist chromatisch).

Aber was VIEL wichtiger ist als das abstrakte Verstehen der Musik, ist das FÜHLEN der Aussage der Töne. Ob da nun Septimen, Sexten, Quarten oder Schlag-Mich-Tot-Kombinationen drin sind, ist doch völlig irrelevant. Wenn ich mathematisch will, lasse ich das vom Computer machen.
Große oder kleinste Bendings, schnelle oder langsame Hammering ons/pulling offs, Triolen, Vibrelli und was weiß ich noch alles ...

Höre dir Bluesgitarristen an, was sie da so treiben. In den seltensten Fällen denken die darüber nach, sondern spielen ganz einfach (meist ausgehend von Pentatonik) ständig wiederkehrende Pattern in immer wieder neuen Kombinationen. Sieh dir die vier DVDs von Claptons Crossroads-Festival an und achte auf die Klampfisten, wenn sie zusammen jammen. Sie spielen mit der Seele und nnicht mit dem Kopf ;)

Ralf

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Re: Improvisieren beim Blues über einen Akkord

Beitragvon korgli » Mo 8. Jun 2015, 16:31

ggggggggggg - Ralf mein Bruder - ggggggg
Dabei ist es ganz einfach - man muss wirklich nur diese eine Tonleiter ein wenig können.
Und halt sehr experimentierfreudig sein - geht aber nicht wenn man zuviel nachdenkt -
Dann bisschen Ohren auf - und merken, wenn ein Ton so gar nicht passt.
Den mit der Zeit kaschieren lernen - und schon ist Blues spielbereit.
Dann noch mitleben, nicht zuviel Töne spielen - siehe BB King -
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Re: Improvisieren beim Blues über einen Akkord

Beitragvon Lackwod » Mo 8. Jun 2015, 20:22

Du möchtest verstehen. - warum verstehen - Musik muss man fühlen, nicht verstehen.
Stimme ich völlig überein mit dieser Aussage.
Aber:

Wenn ich Musik (besonders die Musik, die ich eigentlich nicht höre) verstehe, öffnet sich mir diese Musik, und weil ich sie verstehe, fühle ich anders. verstehe, warum diese Musik entstanden ist, was hat der Künstler sich dabei gedacht, welchen Hintergrund hat die Musik.
Wenn ich das alles verstehe, fühle ich...
Abgesehen von der Musik, die sofort ins Herz geht...
LG
Jürgen
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Fender CD-60
Lakewood D-32 CP
...und wenn ihr wollt, könnt ihr mich hier hören:
http://www.youtube.com/user/10oder5

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Re: Improvisieren beim Blues über einen Akkord

Beitragvon Markus » Mo 8. Jun 2015, 20:47

Hallo,

vielen Dank für die Antworten. Ich schätze eure Meinung, das wisst ihr. Ich kann nachvollziehen was gemeint ist. Dennoch kann ich eure Meinung nicht vollständig teilen. Wenn man wir ihr (Fredy und Ralf) schon 30 Jahre oder mehr Gitarre spielt, kann man das ganz klar sagen. Wenn man aber am Anfang oder auch als Fortgeschrittener (ich) da steht und weitere Sachen lernen möchte, reicht das nicht aus, diese Aussage.

Das wäre wenn man zu einem Anfänger sagt, kauf dir eine Gitarre, mach halt mal, probiere rum bis irgendwas irgendwie klingt usw.
Das geht so nicht. Man muss Strukturen, Vorgehensweisen, Anleitungen haben. Quasi ein Grund-Reportoir. Dann, und nur dann, kann man weitergehen und mehr und mehr die Musik fühlen. Aber davor, muss man einfach ein paar Sachen gelernt haben. Ich kann die 5 Pentatonikmuster, die 7-Durmuster, die Blues-Pentatonikmuster, auch von einem Muster in das andere wechseln usw.. Das macht damit auch schon richtig Spaß, zu Jamtracks zu improvisieren. Egal ob E-Gitarre oder Westerngitarre.

Meine Motivation bei dieser Frage war ganz einfach diese, dass man beim Improvisieren eleganter (schöner?) zu einer Rythmusgitarre spielen kann, wenn man wohl diese Technik des akkordischen Solierens (nennt man das so?) kann. Und deshalb muss man sich mit gewissen Techniken und Zusammenhänge beschäftigen. Da reicht nicht, einfach nur rumprobieren. :-)

Auf der Suche im Internet bin ich bei diesem Thema auf die Kirchentonleitern gestoßen. Verstehe aber leider nicht, wann und wie ich diese anwenden soll. Mir fehlen da Beispiele.

Viele Grüße
Markus
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korgli
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Re: Improvisieren beim Blues über einen Akkord

Beitragvon korgli » Mo 8. Jun 2015, 21:35

Markus
viel solche Musik hören ist der Anfang - klar - nur kopieren ist ein wenig - naja - billig - aber auch so lernt man.

Du denkst also - Wir - ich sag mal wir - hätten das von Anfang an schon immer gekonnt -
Denkst wir geben dir die Infos und Erfahrungen weiter - weil wir denken - wir spielen ja lange und konnten das ja eh immer.
Dann musst du es auch können - neeeee so ist das nicht -

Markus - wir haben genau wie du - dieselben Fragen gestellt - haben genau dieselben Argumente und AUSREDEN gebraucht -
ABER - wir haben - ich zumindest- denen geglaubt die dasselbe wie ich jetzt sagten - und haben stundenlang falsche töne produziert - bis das Hirn wusste- NEIN DIESEN nicht - ja diese schon - und experimentiert und ausprobiert -
Und - es langt nicht - nur die richtigen Töne einigermassen zu treffen - man muss diese formen können - eben diese Nuancen -
Ist jetzt sicher ein wenig salopp gesagt - aber du möchtest eine Anleitung wie man schnell, einfach und sicher - tolle Improvisationen macht -
Gibt's nicht - sorry- ausser dass du die Tonleiter ein wenig beherrscht - wie Ralf schon sagte - als Beispiel.
Du sagst du kannst die - wo liegt also dein Problem - ja genau - im Formen der Töne - im Binden der Töne die Techniken aneinanderhängen - usw.
Genau da liegt das Problem von 99.99% der Spieler - denn Töne und Akkorde kann jeder schnell mal greifen. Aber formen - ist eben mehr - als nur - theoretisch abzuspulen.

Nimm Bluesnummern - spiel dazu, - produzier Töne - erfinden neue Spieltechniken - naja - gibt schon fast alles -

Ich kann dir sagen - ich hab alle Gitarren auseinandergenommen - alle Pedale ausprobiert und durchgenudelt - jeden Amp ausprobiert - welcher der BESTE ist - Kabel gelötet - sogar TV Kabel aus probiert -Die alten KOAX Kabel - tönen anders - :-=)
Und ich kann dir sagen das alles half weiterzukommen -
Klar - immer wieder gespielt und gespielt - man kann auch üben sagen -

Nur mit Bücher lesen wirst nieeeeeeeeeeeee so weit kommen - WEIL - es nicht viel Töne braucht für Blues - Spieltechniken - ok macht es interessanter -ist aber die Sahne drauf.
Hör Bluesmusik die dir gefällt - spiel dazu -versuch die Töne zu formen wie du sie hörst - du wirst merken - welche Nuancen dann auftauchen - zu grader Spielweise - die jeder am Anfang hat.

Aber sind nur Gratis Tipps - musst du nicht beherzigen - klar- wir haben Vorsprung - weil wir früher anfingen.
Das ist aber auch alles.

@Lackwood - teils geb ich dir recht - man kann aber nur verstehen, indem man tut - Theorie ist fein - aber funktioniert nicht immer wirklich bei Musik.
Naja- manche Theorie muss man schon :-)..............sind aber eher wenige Sachen die wirklich wichtig sind -
Die wenigsten Blueser sind Hochstudierte -haben aber meist ein super Feeling.
Klar gibt's auch solche die beides können - ist natürlich noch besser - und Genies - aber das ist ne andere Welt.

Geschmack ist noch was anderes - das ist nicht Teil dieses Threads

fredy
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Re: Improvisieren beim Blues über einen Akkord

Beitragvon Ralf » Mo 8. Jun 2015, 23:10

(Ja, fredy das "wir" war schon ganz nrichtig)

Ja, wie habe ich denn als kleiner Bengel Solo spielen gelernt?
Jedenfalls nicht durch die paar Gitarrenstunden (nur Akkorde). Von Musiktheorie hatte ich (heute würde ich sagen Gott sei Dank) nicht den blassesten Schimmer - und interessiert hat es mich (damals) einen feuchten Kehricht.
Was habe ich also gemacht?

Im Prinzip genau das gleiche wie fredy. Stundenlang Musik gehört. Und dann ... versucht herauszufinden, was die auf der schwarzen Rille so machen. Also Gitarre stimmen und dann die Töne suchen, die "meine" Gitarristen spielten. Kein Songbook (zu teuer, außerdem damals fast ausschließlich mit Noten die ich nicht konnte), kein Gitarrenlehrer und auch kein Kumpel, der mir was zeigen konnte.

Platten laufen lassen. Mitspielen versuchen bis es irgendwann ging. Dabei gelernt, welche Töne wann wie passen. Warum passten die? Damals keine Ahnung. Tonleitern lernte ich nur in soweit, wie es die Gitarristen auf den Platten spielten (immerhin wusste ich, wie die Töne auf dem Griffbrett heißen) wusste aber nicht, dass es diese, jene oder welche war. War mir auch (an sich bis heute) sowas von egal. Dankenswerterweise ließen mich meine Eltern schon als Junge Konzerte besuchen. Deep Purple, Ten Years After, Black Sabbath und viele mehr habe ich bereits als 12-16-Jähriger live gesehen - und stand immer dort, wo die Gitarristen standen ... und habe mir die Augen aus dem Schädel gestarrt, um zu sehen, was die da "ich echt" spielen.

Beispiele, nach welchen Platten ich z.B. gelernt habe (bis November 76 auf einer Western):
https://www.youtube.com/watch?v=YAZyjARWKzM - Deep Purple, When a blind man cries
https://www.youtube.com/watch?v=U5X_Dd_6Czk - Wishbone Ash, Warrior
https://www.youtube.com/watch?v=LByiVlc6czA - Wishbone Ash, Throw down the sword
https://www.youtube.com/watch?v=QcH_HCRQczM - Deep Purple, Into the fire
https://www.youtube.com/watch?v=9Z_drl3luuE - Rory Gallagher, A million miles away
https://www.youtube.com/watch?v=UHA-IvguFj4 - Deep Purple, Bloodsucker
https://www.youtube.com/watch?v=6Y8IWnoBOZI - Ten Years After, Good morning little schoolgirl
https://www.youtube.com/watch?v=T8_cOwft5sA - Ten Years After, Slow blues in c
https://www.youtube.com/watch?v=KCe8NvzXwzg - Ten Years After, Choo choo mama
https://www.youtube.com/watch?v=MrV6exi1WlM - Led Zeppelin, The ocean
https://www.youtube.com/watch?v=6bD9t44JUD4 - Led Zeppelin, Over the hills and far away
https://www.youtube.com/watch?v=LzTtLetwYZ0 - Black Sabbath, Warning
und vieles mehr von den Who, Kinks, Troggs, T. Rex ...

Nicht immer perfekt, aber doch annähernd.

Wenn ich ehrlich bin, ist es mir bis heute eigentlich sch*egal, was die Musiktheorie zu irgendetwas, was ich ausprobiere sagt ... Es hilft ein wenig, aber ich höre fast ausschließlich auf meinen Bauch und nicht auf meinen Kopf.

Und so ganz nebenbei eine immer wieder auftauchende Erfahrung aus dem Unterricht: Wer mit Theorie und Noten angefangen hat, kann in den seltensten Fällen tatsächlich frei spielen (improvisieren).

Ralf

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Re: Improvisieren beim Blues über einen Akkord

Beitragvon korgli » Mo 8. Jun 2015, 23:16

Du musst wirklich mein Zwillingsbruder sein - eigentlich wars bei mir zu 100% auch so.
Darum kann ich heute auch kaum was - aber das mit Freude und Gefühl. :-)
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Re: Improvisieren beim Blues über einen Akkord

Beitragvon Markus » Di 9. Jun 2015, 07:47

Vielen herzlichen Dank für die ehrlichen Antworten.......werde über das alles, was ihr geschrieben habt, nachdenken.........

Liebe Grüße
Markus
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Re: Improvisieren beim Blues über einen Akkord

Beitragvon Markus » Di 9. Jun 2015, 08:04

...was ich noch sagen wollte: "...Nur mit Bücher lesen wirst nieeeeeeeeeeeee so weit kommen...

das ist bei mir nicht so...ich spiele viel....ich improviseire viel zu jamtracks....ich kann auch mehr und mehr Sachen aus Liedern raushören bzw. rausfinden, in welcher Tonart sie geschrieben sind...usw. ich bin auf einem guten Weg....

ist also nicht so, dass ich nur Bücher lese und mit die Töne nur vorstelle :-) (überspitz formuliert)

ich höre auch viel...ich schaue mir auch gerne Tutorials an.....gerade von Teilen die sehr schnelle Abfolgen von EInzeltönen beinhalten kann man das fast nicht raushören...da hilft eine Tabulatur oder ein Video der Abfolge ungemein, und: man spart Zeit.

Mir ging es im Wesentlich nicht darum: wie lerne ich Solospielen, sondern kongkret um die Technik: akkordisches Solieren, was für mich leider noch nicht beatwortet ist...aber ich werde weiter recherchieren und bestimmt was dazu finden.

Viele Grüße
Markus
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Re: Improvisieren beim Blues über einen Akkord

Beitragvon Ralf » Di 9. Jun 2015, 08:40

@Markus

Ich verstehe schon, was du meinst, wohin du willst und was deine Beweggründe sind. In diesem "speziellen" Fall möchte ich aber lieber mein Großmaul halten und auf zwei Sachen verweisen, die dir (und ggf. anderen) bei der "angewandten Theorie" besser helfen können als ich es je könnte. Vorausgesetzt allerdings, du bist des Englischen halbwegs mächtig. Ist aber alles sehr anschaulich, so dass man sprachlich nicht perfekt sein muss ;)

1) Auf YouTube veröffentlich Andrew Wasson wöchentlich sehr hilfreiche Tutorials & Beispiele rund um Akkord- & Solospiel; und so gut wie immer mit Verweisen auf die theoretischen Grundlagen. Auf Facebook findest du ihn auch wie die Links zu seinem YT-Channel und Blog. Ich kann nur sagen: Eine wahre Fundgrube!

2) Für ein wenig Theorie und noch mehr Fingerübungen etc. verweise ich immer wieder gerne auf das alte Lehrvideo von John Petrucci, "Rock Discipline". Man muss davon nicht alles können, und schon gar nicht in der z.T. wahnwitzigen Geschwindigkeit, aber er erklärt es sehr anschaulich.

Ralf

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Re: Improvisieren beim Blues über einen Akkord

Beitragvon korgli » Di 9. Jun 2015, 11:08

Hi Markus

Du weisst bestimmt wie - zumindest, wie ich es meine.
Es ist einfach so, dass es für das was du suchst, kaum eine klare Anleitung gibt.
DENN- solieren heisst ja nichts anderes als eine Art Melodie erfinden.
Also wäre so ne Anleitung ja ne feine Sache um Lieder - Melodien - herzustellen.

Wenn es so einfach wäre, dann ging es ja. Klar kann man einfache Melodien wie Alle meine Entchen immer spielen - oder singen -
Aber ich nehme eben genau an, dass Du das kannst.
Es geht also weiterführend darum, die Töne neu zu mischen. Eben, in der Rythmik, Spieltechnik, Tonformung, so zu spielen, dass es ein wenig von alle meine Entchen abweicht.
Logisch, dass da die Grundlagen erst mal erarbeitet werden müssen - je mehr desto umfangreicher kann man.

Und da ist eben Fantasie, Kreativität, usw gefordert. Weil man nicht einfach sagen kann - welche Tonfolge gut ist.
Es gibt für immer dieselben Akkorde immer wieder neue Melodien. Und so verhält es sich beim Solieren eben auch.
Und sei es Blues, Country, Klassik usw.
Jede Stilrichtung hat ihre bevorzugten Liks, die es dann ausmachen, dass man sagt - ey das ist bluesig, oder sonstwas.
Je mehr du dich da bewegen kannst, um so interessanter wird es.

Einfach gesagt, kannst einfach die Töne nehmen, die zu einem Akkord passen. Also Pentatonik. Und gut ist. Die dann interessant spielen - und fertig ist ein Solospiel.
Gibt aber viele Ausnahmen, die auch Funktionieren. Vor allem wenn die Akkorde aus 9er, 4er usw Zusammengesetzt sind.
Oder man darf ruhig auch mal ne Disharmonie einbauen - Wichtig ist immer der Einstig und Schluss. Stimmt da der Ton nicht, so tönt es "falsch"
Gute theoretiker können aber einem selbst dann erklären, warum es richtig ist :-)

Ich hab natürlich nie angenommen, dass du NUR liest. :-) Wie kannst du sowas überhaupt annehmen .-)
Aber es gibt wirklich nicht einfach DIE Lösung. Um das geht es MIR. Bei meinen provokanten Aussagen - und glaub Ralf denkt da eben gleich, weil er dasselbe weiss. Man könnte jetzt schon 100 Lösungen bringen - du wolltest Beispiele - hör dir Songs an - da hats 100000 Beispiele drin.
Je nach Geschmack mal Rockiger - mal softiger, mal Klassischer.

Sei offen und kreativ - Nur ein paar "richtige" Töne dazu zu spielen macht noch kein Solospiel aus.
Anders gesagt, kannst ja einfach die Gesangsmelodie spielen und gut ist...
Interessant wirds aber, wenn man davon abweicht. Finde ich zumindest.

fredy
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Re: Improvisieren beim Blues über einen Akkord

Beitragvon Kalle » Di 9. Jun 2015, 22:49

Ein großartiger Tread!

Danke für eure Denkanstöße :D

Gruß Kalle

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Re: Improvisieren beim Blues über einen Akkord

Beitragvon KlausG » Fr 12. Jun 2015, 13:26

Sagt man dann, ich improvisiere über einen Akkord? oder was genau muss man mit dieser Aussage verstehen?
Bei dem von dir dargestellten Blues-Akkordschema improvisierst du ja einerseits über die Akkordfolge, andererseits 12x über den jeweiligen Akkord. Du kannst über die gesamte Akkordfolge mit der A-Moll-Pentatonik improvisieren, möglich ist aber auch die A-Dur-Tonleiter oder die passende Bluestonleiter (bzw. Töne der anderen Tonleitern einfliessen lassen). Bei den Akkorden D7 und E7 kannst du aber auch zu den entsprechenden Tonleitern wechseln. Also beim D7 dann zur D-Moll-Pentatonik, etc.. Nur mit diesen 3 Tonleitern, also Moll-Penta-, Dur- und Blues-Tonleiter und evt. Wechsel bei den Akkordwechseln ist man glaube ich schon gut ausgelastet. Ich selbst kenne mich mit der Theorie leider besser aus als mit der Praxis und im Moment mache ich gerade mal wieder eine Anlauf in der Praxis.

Wenn du die Töne der C-Dur-Tonleiter mit einem anderen Ton beginnen lässt erhälst du die Kirchentonleitern. Die bekannteste davon, Äolisch, entspricht unserem reinen A-Moll und beginnt auf A. Dorisch, auch relativ bekannt, beginnt auf D, etc. Wenn es um das improvisieren geht ist auch immer wieder mal die Rede von diesen Tonleitern, da ich noch bei der Pantatonik feststecke habe ich mich damit noch nicht beschäftigt. Im Internet findest du aber bestimmt 'ne Menge Stoff dazu. Wenn ich mich recht entsinne, gibt es im Musiker Board auch immer mal wieder Diskussionen dazu.

Gruß
Klaus
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Re: Improvisieren beim Blues über einen Akkord

Beitragvon Ralf » Fr 12. Jun 2015, 14:23

Die Skalen (Tonleitern; resp. Kirchentonleitern)
ScaleModes.JPG
1) Ionisch (Dur-Tonleiter)
2) Dorisch
3) Phrygisch
4) Lydisch
5) Mixolydisch
6) Äolisch (Moll-Tonleiter)
7) Locrisch

Ralf

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Re: Improvisieren beim Blues über einen Akkord

Beitragvon Markus » So 14. Jun 2015, 10:04

Hallo Klaus,

danke für die Erläuterungen. Das meiste von deinen Ausführungen kenne ich. Das Improvisieren mit den Pentatonikmustern mache ich schon länger, das geht ganz gut. Ich glaube, der Tipp: ..wenn du dann D7 spielst, spielst du die D-Moll-Pentatonik....ist das, was ich ursprünglich meinte, "mit dem Akkord mitgehen"...

Die 7 Kirchentonleitern, wie sie Ralf als Grafik hier abgelegt hat, kenne ich bzw. kann ich spielen.

Jetzt ensteht bei mir gerade noch die folgebnde Überlegung:

es soll ja als Beispiel dieser Blues-Shuffle gelten:
A7 A7 A7 A7
D7 D7 A7 A7
E7 D7 A7 E7

A7: <----- hier könnte ich Töne im 1. Muster (ionisch), beginnend im 5. Bund (Ton A, tiefe E-Saite), spielen
D7: <----- hier könnte ich Töne im 4. Muster (lydisch), beginnend im 10. Bund (Ton D, tiefe E-Saite), spielen
E7: <----- hier könnte ich Töne im 5.Muster (mixolydisch), beginnend im 12. Bund (Ton E, tiefe E-Saite), spielen

Wie komme ich jetzt da drauf?
ich habe diese Kirchentonleitern (Muster) für Tonart G-Dur gelernt, weil sehr viele Lieder in G-Dur sind. Das habe ich in einem E-Gitarren-Online-Kurs gelernt. Das erste Muster (ionisch) beginnt dann auf der tiefen E-Saite im 3.Bund auf dem Ton G. Darauf aufbauend passen dann die anderen 6 Muster (Kirchentonleitern).

Ist das Lied (Blues) jetzt in A, dann brauche ich ja nur das erste Muster vom 3. Bund (Ton G) in den 5. Bund (Ton A) schieben und alle anderen 6 Muster passen auch wieder. Ich muss mir jetzt nur merken, welche Starttöne die einzelnen Muster jetzt auf der tiefen E-Saite haben und entspechend dem Akkord dann Töne aus diesen Muster spielen, bzw. die 1-4-5-1 Kadenz in Erinnerung rufen, also 1. Muster, 4. Muster, 5.Muster und wieder 1. Muster. Stimmt das so?

Ich glaube so müsste es gehen, "über einen Akkord improvisieren" :-) spannend.....

Viele Grüße
Markus
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Re: Improvisieren beim Blues über einen Akkord

Beitragvon Ralf » So 14. Jun 2015, 10:21

Nimm das Schema mal auf und lass es als Loop laufen. Spiel einfach irgendwas als Solo dazu. Lade das Ergebnis dann hoch. Das macht es dann einfacher, irgendwelchen Senf oder Vorschläge abzugeben ;)

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Re: Improvisieren beim Blues über einen Akkord

Beitragvon KlausG » So 14. Jun 2015, 10:53

Hallo Markus,

klingt für mich ein bisschen nach Overkill. Ich habe mal auf Youtube ein Tutorial gesehen, da hat jemand über 3 Noten, + eine Vierte erzeugt durch Bending auf einer der 3 Noten, ein wahnsinniges Bluessolo gespielt. Das hat mich mehr beeindruckt als ein hochkomplexes Solo über den gesamten Gitarrenhals. Oft ist es auch ein Minimalismus der Überzeugt, wie für mich bei B.B. King.

Gruß
Klaus
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Re: Improvisieren beim Blues über einen Akkord

Beitragvon korgli » So 14. Jun 2015, 18:41


Ich muss mir jetzt nur merken, welche Starttöne die einzelnen Muster jetzt auf der tiefen E-Saite haben und entspechend dem Akkord dann Töne aus diesen Muster spielen, bzw. die 1-4-5-1 Kadenz in Erinnerung rufen, also 1. Muster, 4. Muster, 5.Muster und wieder 1. Muster. Stimmt das so?

Ich glaube so müsste es gehen, "über einen Akkord improvisieren" :-) spannend.....

Viele Grüße
Markus
Ja genau - das ist eine wichtige Erkenntnis
Ich merk mir nur die Lage - also den Anfang - Deine Überlegungen sind richtig.

Noch ein wenig "frech" sein - und es funzt.
Auch das was Klaus sagt hat was- zuviel "Gedudel" bringts nicht immer.
Man muss oder soll nicht über die ganze Skalen spielen.

fredy
.......viel Spass.......und jeder wie er mag.
https://www.westernwings.ch/


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