Barre vs. offene Akkorde

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LeonFR
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Barre vs. offene Akkorde

Beitragvon LeonFR » Fr 10. Okt 2014, 12:03

Hallo Leute,
schon wieder jemand, der um diese Griffe herumkommen will.
Nee nee, keine Angst, über den Punkt bin ich schon weg. ;)
Ich weiß gar nicht so richtig, wie ich die Frage formulieren soll.
Ich hab mir heute mal den Spaß gemacht und Lieder statt mit den üblichen offenen Akkorden
als Barre gespielt. Zum Beispiel habe ich im dazugehörigen Lied die Akkorde G-Dur, D-Dur, C-Dur, e-moll und a-moll alle als Barre gespielt. Es schult natürlich unheimlich das umgreifen und verschieben innerhalb dieser Barregriffe und auch die Kraft in der Hand.

Nun meine Frage, hat das ansonsten irgendeinen Vorteil? Es klingt einen kleinen Tick anders, das hab ich festgestellt. Gibt es ansonsten irgendwelche Vorteile dieser Art zu spielen, anstatt mit den offenen Akkorden? Ich frage deshalb, weil ich zumindest das Gefühl habe, dass viele Lieder, die ich nachspielen will und deren Originale ich mir auf Youtube anschaue, von den Bands oder Interpreten eben als Barre gespielt werden. Mir ist halt nur nicht so richtig klar warum. Hat jemand eine Idee?

Gruß Alex

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korgli
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Re: Barre vs. offene Akkorde

Beitragvon korgli » Fr 10. Okt 2014, 14:09

Hi

Es hat alles Vor- und Nachteile.

Wenn du alleine spielst tönen sie z.b. eher "dünner"
Man kann mit ihnen aber auch Rythmische Sachen anstellen, die mit offenen Akkorden nicht gehen.
Im Bandgefüge, kann man auch Varieren - heisst dass 1 gitter z.b. offene Akkorde spielt, der 2. Barre Ty xy. der 3. Barre Typ xyz usw.
Dann sind sie auch an Powercords angelehnt. Was eher im Rock gebraucht wird.

Um nur mal ein paar Gedanken dazu zu "sagen"
Gibt aber schon noch ne Menge mehr - ich lass aber andere auch zu Wort kommen :-)

fredy
.......viel Spass.......und jeder wie er mag.
www.komir.de oder auch w...ahamon.ch

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Re: Barre vs. offene Akkorde

Beitragvon Ralf » Fr 10. Okt 2014, 14:24

Da gibt es viele Gründe ... sowohl für Barré als auch für offene Akkorde.

Vor allen Dingen, wenn ein bestimmter Klangzusammenhang hergestellt werden soll und höhere Noten notwendig sind, sind Barrés unumgänglich.
Nehmen wir mal als Beispiel "Long Train Running" von den Doobie Brothers: https://www.youtube.com/watch?v=tnD0eVdHJfI
Diesen Klangeffekt am Anfang, also welche Noten gespielt werden, funktioniert nur mit Barrés, wobei es unerheblich, ob du es mit Western- oder E-Gitarre spielst.

Mach dir mal den Spaß und vergleiche Em7 im Klang inkl. des Folgeakkords:
1.1 Barré Em7, 7. Lage
E0-A7-D9-g7-b8-e7 = Griffbild
E - E - B - D - G - B = Noten

1.2.1 Offen Em7 Vers.2, 0. Lage
E0-A2-D0-g0-b0-e0 = Griffbild
E - E - D - G - B - E = Noten

1.2.2 Offen Em7 Vers.3, 0. Lage
E0-A2-D0-g0-b3-e0 = Griffbild
E - E - D - G - D - E = Noten

Keiner der offenen Akkorde ähnelt auch nur ansatzweise dem ursprünglichen Akkord. Das Notenbild sieht ähnlich aus; auf Notenpapier siehst du beim Ursprungsakkord mehr hohe Noten als beim offenen Akkord.

Andersherum geht es auch.
Beispiel "Wish you were here" von Pink Floyd: https://www.youtube.com/watch?v=3j8mr-gcgoI

Die Akkorde, gleich ob mit 6 oder 12 Saiten gespielt, kllingen nur so gut, weil sie offen und nicht als Barrés gespielt werden
G(add5) | E3-A2-D0-g0-b3-e3 = G-B-D-G-D-G
A7sus4 | Ex-A0-D2-g2-b3-e3 = x-A-E-A-D-G
Em7 | E0-A2-D2-g0-b3-e3 = E-B-E-G-D-G

Ganz ähnlich übrigens Wonderwall (Oasis), bei dem u.a. noch ein Dsus4 (Ex-Ax-D0-g2-b3-e3) hinzukommt.

Wenn auch der SOUND der maßgebende Grund ist - oder anders ausgedrückt: die Atmosphäre/Stimmung eines Akkords - spielt die "Faulheit der Gitarristen" ebenfalls eine Rolle. Wer sich hauptsächlich in den ersten drei Bünden befindet, wird weniger auf die Barré-Varianten zugreifen - und im Gegenzug, wer sich hauptsächlich irgendwo weiter oben auf dem Hals befindet, bleibt i.d.R. auch da.

Es gibt da recht praktische Gründe. Nehmen wir noch einmal Long Train Running.
Benutzte Akkorde:
Em7 (siehe oben)
Bm11 | E0-A7-D7-g7-b7-e7 = E-E-A-D-F#-B
Am7 | E5-A7-D5-g5-b5-e5 = A-E-G-C-E-A (Ich benutze den allerdings offen: Ex-A0-D2-g0-b1-e0 = x-A-E-G-C-E)
C | E8-A10-D10-g9-b8-e8 = C-G-C-E-G-C (oder ersatzweise C7: E8-A10-D8-g9-b8-e8 = C-G-A#E-G-C)
B7sus4 | E7-A9-D7-g9-b7-e7 = B-F#-A-E-F#-B
B7 | E7-A9-D7-g8-b7-e7 = B-F#-A-D#-F#-B

Alle Akkorde liegen in der Box 7-10, also direkt nebeneinander ... bequemer kann man es kaum haben ;)

Ausschlaggebend ist, wie oben schon erwähnt, der Klang/die Stimmung/Atmosphäre des Akkords. Welche Variante klingt im Zusammenhang mit den anderen Akkorden plus ggf. Gesangsmelodie und/oder Instrumentalmelodie (siehe Floyd) am besten, gibt das wieder, was sich der Komponist vorstellt?

Im Extremfall kann das bedeuten (und das tut es nicht selten), dass der Gitarrist ständig zwischen offenen Akkorden und Barrés hin und her pendelt, obwohl es durchaus einfachere Varianten gäbe. Der Grund dieses "Geheimnisses" ist tatsächlich das Soundgefüge. Ob nun Konzert-, Western- oder E-Gitarre, spielt an sich keine Rolle. Die ständigen Wechsel zwischen offen und Barré finden sich vom Jazz über Rock/Blues bis zur klassischen Gitarre.

Ich hoffe, ich habe deine Frage beantwortet. Wenn nicht, nachhaken.

LG Ralf

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LeonFR
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Re: Barre vs. offene Akkorde

Beitragvon LeonFR » Sa 11. Okt 2014, 19:48

Sehr viel Input von euch, Danke!

Wenn ich es kurz zusammenfasse, ist es also im Endeffekt ein Ausprobieren aus Sound und Stimmung der Akkorde zum Lied (was soll wie beim Hörer ankommen) sowie eine Abwägung, welche Akkordwechsel sich als Barre oder offene Akkorde leichter bzw. komfortabler spielen. Oder ein Mix aus beiden. Hoffentlich hab ich es nicht zu durcheinander geschrieben. ;)

Ich weiß nicht mehr bei welchem Lied es war. Mit meinem Lehrer hab ich auch ein Lied geschrammelt und bin vom F-Dur Barre auf G-Dur (offen) gewechselt und er sagte halt, "mach's dir einfacher,
verschiebe einfach deinen Barregriff." Klaro dachte ich mir. War ganz logisch und passte sehr gut an der Stelle und im weiteren Verlauf der Akkorde. Das sind halt die Sachen die einem so im Laufe der Zeit immer mehr bewusst werden.

Oder man spielt halt mit mehreren Instrumenten bzw. in einer Band und kann so, wie Fredy sagte, ausprobieren, wie es sich anhört und beides verbinden. Wir haben das sogar schon (unbewusst?) gemacht. Ein Kumpel und ich haben zum Geburtstag meiner Freundin zusammen "Kling Klang" von Keimzeit gespielt.

Die Akkorde waren folgende: G-Dur, a-moll, F-Dur, B-Dur (deutsche Bezeichnung? bin gerade durcheinander. Ich meine das deutsche B, vor dem H-Dur) sowie C-Dur, f-moll, D#-Dur, D-Dur.
Ich habe F-Dur, B-Dur, f-moll, D#-Dur und D-Dur als Barre gespielt, den Rest als offene Akkorde.
Mein Kumpel (als Jugendlicher 10 Jahre Gitarrenunterricht) hat außer dem C-Dur alles als Barre gespielt. Rhythmisch haben wir gleich gespielt. Zusammen ergab das einen schönen runden und voluminösen Klang.

Ich lade es hier gleich mal hoch. Leider ist die Qualität nicht so prall. Der Anfang fehlt etwas und auch kurz vor dem Ende des Liedes ist das Video schon vorbei. Der Akku ging krachen. Leider das einzige im Moment mir verfügbare Video von unserem Gitarrenspiel. Es ist leider nicht so gut zu hören, da wir uns etwas verschätzt haben. Als wir zusammen im Wohnzimmer übten, waren die beiden Gitarren sehr laut. :D Und da haben wir nur zu zweit gesungen. Zusammen waren wir aber 4 (zwei Sänger, zwei Gitarristen - die auch mit sangen). Im Endeffekt war es aber ok und ich war ziemlich zufrieden. War quasi mein erster Live Auftritt vor etwas mehr als 40 Leuten. Und wir hatten ja quasi nur einen Schuss frei. Live is Live :mrgreen: So kurz vorm Auftritt dieses Gefühl, "warum machst du das hier eigentlich?" Diese Aufregung... Aber ging alles gut, bis auf einen klitzekleinen Fehler, der aber irgendwie keinem aufgefallen ist. Aber das Gefühl danach war Mega. 8-) Und es kam sehr gut an. Vorher lief eine Show mit Playback und mehr oder weniger gewollten, übertriebenen Verkleidungen der Interpreten (Drafi Deutscher, Peter Cornelius, Helene Fischer und Peter Wackel). Nachdem das angekündigte letzte Lied vorbei war und der Applaus leicht abklang, riss unser Kneipe auf Kommando den Vorhang, aus dem alle gekommen waren, herunter und wir begannen unser Ständchen. Aber schaut es euch selbst an.
Wie gesagt, die Bild und Tonqualität ist leider nicht die beste und die Gitarren kommen nicht so gut rüber. Der Typ links, mit dem gelben Gitarrengurt, bin übrigens ich. ;)



Gruß Alex
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Kling Klang Ani 30.mp4
(18.21 MiB) 955-mal heruntergeladen


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