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Mit Metronom Gitarre spielen

Wie sinnvoll ist es, mit einem Metronom Gitarre zu spielen?

 

Eine Frage, die sich vor allem Gitarrenanfänger stellen -  ist man doch froh, die wichtigsten Akkorde im Kopf zu behalten und die Akkordwechsel halbwegs hinzubekommen.

Doch spätestens dann, wenn man mit anderen zusammen spielt, kommt für viele die „Stunde der Wahrheit“, wenn das „Timing“ nicht stimmt. Der Standardspruch, „zuhause hat das doch geklappt“, ist oft im Selbstbetrug begründet – wenn nicht mit Metronom oder mit einem Originalsong geübt wurde. Denn natürlich hat es zuhause geklappt, weil man nur auf sich selbst hören musste und nicht auf andere Gitarristen, Sänger etc.

Genau in diesem Moment wird klar, dass ein Metronom gute Dienste leistet, um Timing, Akkordwechsel und anderes zu üben …

Taktell, Metronom und andere Helferlein

 

Auf fast jedem Klavier steht ein Taktell; vor einiger Zeit ‚nur‘ das mechanische Gerät. Es hat einen Zeiger und ein verschiebbares Gewicht, das je nach Höhe die Geschwindigkeit klickt. Der Ton ist immer gleich. Verschiedene Takte und deren Betonungen lassen sich damit nicht einstellen. Anders verhält es sich bei ähnlich aufgebauten Smartphone-Apps, bei denen es oft möglich ist eine Betonung einzustellen.

Ein Metronom kann da schon mehr. Ob nun als Einzelgerät oder Smartphone-App, bei allen hat die ‚1‘ eine Betonung und einen anderen Klang als die folgenden Klicks. Je anspruchsvoller das Gerät oder die App, desto mehr Möglichkeiten sind einstellbar – bei einigen auch der Klang des Klicks, von einem einfachen Klack bis hin zu Schlagzeugsounds.

TuxGuitar, TaBazarII (beide kostenfrei) oder Forte sind Notations-/Tab-Programme, mit denen sowohl ein Klick als auch ein virtuelles MIDI-Schlagzeug programmierbar ist.

Mit einer Recording-Software (GarageBand, MusicMaker …) erhält man neben dem Klick auch Schlagzeug-Loops, nach denen es sich vortrefflich und angenehmer fürs Ohr üben lässt.

Sonstiges

Ich kann den Klick nicht hören.“ Wunderbar, dann ist entweder das Gerät zu leise oder man ist genau im Timing mit seinem Gitarrenspiel.
„Das Ding wird schneller / langsamer.“ Irrtum! Nicht das Gerät ändert willkürlich die Klickgeschwindigkeit, sondern man selbst. So entsteht der Eindruck, dass einem das Gerät wegläuft oder dass es ‚einschläft‘.
Beides passiert nicht nur Anfängern beim Gitarrelernen.

Wie wichtig Timing ist, wird jeder feststellen, der mit anderen zusammen Gitarre spielt. Noch klarer wird das, wenn zwei oder drei Gitarren mehrstimmige Melodien spielen. Sind sie nicht genau übereinander, also Zeitgleich, also im Timing, funktionieren zwei- oder dreistimmige Melodien nicht mehr.
Bei vier Gitarren böte sich als Übungsstück auch ein Kanon à la Bruder Jakob an, wobei dann ein wirklich exaktes Timing unbedingt notwendig ist (und natürlich ein gutes Gedächtnis sowie Orientierungsvermögen, an welcher Stelle man sich selbst in der Liedmelodie gerade befindet).


Kontinuität

 

Eine gefürchtete Übung ist das Timing-Kontinuitäts-Training. Für die Fingerspieler [FS] noch schwieriger als für die Plektrumspieler [PS]. Was ist das? Das Durchhalten einer Anschlagsgeschwindigkeit (mit und ohne Nutzung der Greifhand) über einen längeren Zeitraum, z.B. 3 Minuten.

Metronom einstellen auf 120 BPM 8/8. Nun 3 Minuten nur Downstrokes (Abschläge) (FS: Fingernagel); danach 3 Minuten nur Upstrokes (Aufschläge) (FS: Fingerkuppe); danach 3 Minuten Alternate (Wechselschlag) (FS: Fingernagel/kuppe). Kann sowohl mit einzelnen Saiten als auch mit Akkorden geübt werden.


Fingerübungen und Akkordwechsel mit Metronom

Jeder kennt die Kletterübung (Spinne, Spider) auf der Gitarre. Die vier Töne auf einer Saite hintereinander zu bekommen ist ganz einfach, aber der Wechsel von einer zur anderen Saite dauert anfangs immer länger, sodass eine Kunstpause entsteht (ist beim Wechsel der Akkorde genauso). Das Ohr ist geneigt, diese Pause mehr oder weniger zu ignorieren, sodass der subjektive Eindruck entsteht, dass alles in Ordnung ist. Objektiv ist es das aber nicht. Ein Metronom beweist den Selbstbetrug.

Also mit so einem Gerät Gitarre lernen. Aber halt! Nicht gleich 120 BPM (Beats per minute [Schläge pro Minute]) einstellen, sondern schön langsam anfangen. Ausschlaggebend für die Übungsgeschwindigkeit ist der langsamste Wechsel einer Übung, egal ob es sich um Kletterübungen, Tonleitern oder Akkordwechsel handelt. Es ist sinnlos, drei Viertel eines Liedes oder eines Licks im Timing zu spielen und die schwierigen Stellen erheblich langsamer. Lieber alles langsamer, aber alles im Timing als ständig wechselnde Geschwindigkeiten.

Und Akkordwechsel beim Gitarrenspielen? Wie soll man die mit einem Metronom üben? Eigentlich ganz einfach: Ziel ist es, nur ein Achtel Zeit für einen gelungenen Wechsel zu haben. Am Anfang eine fast nicht zu bewältigende Aufgabe. Metronom auf z.B. 60 BPM 4/4. Der nächste Wechsel soll dann auf der 1 sein. Klappt das, dann bei 1 und 3, geht auch das, dann bei 1 und 2 und 3 und 4. Wenn auch das halbwegs unfallfrei geht, die Geschwindigkeit um 2 BPM erhöhen … dann geht es wieder von vorne los. Ganz wichtig dabei: Eine gehörige Portion Geduld und Selbstüberwindung, diese Übung mindestens 15 Minuten beim Gitarrespielen durchzuhalten.


Spielwiese

Einige Beispiele stehen bereits oben. Es gibt aber noch mehr Einsatzmöglichkeiten für ein Metronom wenn man die ersten Erfahrungen als Gitarrenanfänger hinter sich hat und sich schon im Modus für „Fortgeschrittene“ befindet.

Je nach Ausführung des Geräts oder der Software bzw. App, kann man die Betonungen wechseln, so dass nicht immer nur die 1 als Betonung hörbar ist, sondern auch andere Punkte innerhalb eines Taktes. Vor allem bei 7/4 (Hörbeispiel Peter Gabriel: Solsbury Hill) oder verqueren Takten wie 9/8 kann durch Betonungswechsel auch die Schlag-Zupfdynamik geübt werden. 

1-2-3-4-5-6-7 wäre die Hauptbetonung die 1 und die Dynamikbetonung auch auf der 4.

1-2-3-4-5-6-7-8-9 ohne Hauptbetonung auf 1, sondern nur Dynamikbetonung auf 3, 5 und 9, wobei 3, 5 und 9 Upstrokes und 1, 2, 4, 6, 7 und 8 Downstrokes sind (Hörbeispiel Genesis: Apocalypse in 9/8 aus Supper’s Ready).

Für Android-Geräte sehr empfehlenswert weil Mehrwert durch sehr gutes Metronom und weiteren Gimmicks wie Akkordsuche, Skalen, Gehörtraining, Quintenzirkel, Transposer und vieles mehr: SmartChord (kostenfrei).

 

Ein Beitrag von Ralf Wiethoff

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