Akustik- oder E-Gitarre?
Immer wieder werde ich gefragt:
Muss man als Anfänger erst auf einer akustischen Gitarre lernen?
oder
Kann ich nicht direkt mit einer E-Gitarre anfangen?
Die meisten Lehrer beantworten diese Frage rigoros mit: Auf jeden Fall erst Akustikgitarre!
Ganz so einfach ist es natürlich nicht! Denn es gibt schon einige, die mit einer E-Gitarre angefangen haben!
Also, zuerst gilt zu berücksichtigen, dass es eigentlich nicht nur um E-Gitarre und Akustikgitarre geht, sondern um mindestens zwei unterschiedliche Spielweisen!
Die E-Gitarre
Ordnen wir der E-Gitarre erst mal eine "rockige" Spielweise zu.
Das bedeutet, du spielst mit der Greifhand Powerchords, Riffs oder Solis.
Diese Akkorde, bzw. Teilakkorde werden selbstverständlich mit Verzerrer und möglichst viel Energie dem staunenden Publikum im Hause zu Gehör gebracht, denn schön ist, wenn es laut ist...!
Eine E-Gitarre spielt nicht oft auf den ganz normalen Akkorden, wie C, D, G usw. - erst wenn man Balladen oder auf mittleres Tempo geht, nutzt man die Möglichkeiten dieser einfachen und leichten Akkorde.
Eindeutiger Nachteil der rockigen, verzerrten Spielweise ist, dass man weniger bis gar nicht darauf achtet, welche Saiten und Töne eigentlich noch klingen und welche nicht!
Im Klartext: unsaubere Töne werden erst gar nicht entdeckt und man kann schlechter an seiner Technik arbeiten. Der "Supersound" versteckt die Fehler und macht uns evtl. selbst etwas vor.
Darauf antwortest du:
Ok, dann schalte ich einfach hin und wieder mal den Verzerrer aus und spiele ohne!
Argumente für die E-Gitarre
Richtig, genau das solltest du gelegentlich tun, dann gibt es kaum noch ein Argument gegen die E-Gitarre!
In dem Moment kehrt sich nämlich alles um, du hörst jeden Fehler noch deutlicher als auf einer akustischen Gitarre...
In dem Moment kehrt sich nämlich alles um, du hörst jeden Fehler noch deutlicher als auf einer akustischen Gitarre...
Neben der unglaublichen Lautstärke, die man auch schon mit 10 Watt-Verstärkern erreichen kann, gibt es aber auch noch die Möglichkeit, mit Kopfhörer zu üben!
Die meisten Amps haben einen Kopfhörerausgang, wenn du dort deinen Kopfhörer einstöpselst, wird automatisch der normale Lautsprecher ausgeschaltet, und dein bisher so begeistert lauschendes Publikum im Hause wird enttäuscht sein, dass es deine wunderbaren Soundkollagen gar nicht mehr abfeiern kann...
Das sollte dich aber nicht hindern, dies trotzdem zu tun, vor allem morgens um sieben und abends vielleicht schon ab 20 Uhr.
Auf diese Art kannst du deine Übungsstunden täglich um einiges verlängern - zweifellos ein Vorteil gegenüber der akustischen Gitarre.
Die akustische Gitarre
Als akustische Gitarre bezeichne ich jetzt mal alle Wander-, Konzert- und Westerngitarren, die eben nicht elektrisch verstärkt werden.
Alle drei Varianten der akustischen Gitarre können für Anfänger eine gute Wahl sein - wenn mindestens drei Faktoren stimmen:
a) die Gitarre sollte eine möglichst flache Saitenlage haben
b) die Saiten sollten nicht steinhart sein
c) die Gitarre sollte dir optisch und akustisch auch gefallen
Mögliche Spielweisen der Wander-, Konzert- und Westerngitarren wären:
a) einfache Liedbegleitung mit Akkorden (geschlagen oder gezupft) = Wander-, Konzert- und Westerngitarren
b) Klassik & Flamenco = Konzertgitarre
c) Blues = Westerngitarre
d) Fingerpicking = Westerngitarre
Da alle drei Gitarrentypen sechs Saiten haben, könnte man auch alle Spielweisen mit jeder Gitarrenart spielen.
Wenn wir mal die Wandergitarre als Anfängerinstrument außer Acht lassen, bleiben zwei ernsthafte Konkurrenten übrig:
Die Konzertgitarre und die Westerngitarre, die heute - irreführenderweise - immer häufiger auch nur als "Akustikgitarre" bezeichnet wird.
Beide Gitarrentypen erobern immer mehr das "gegnerische" Gebiet; z.B. spielt
Ulli Bögershausen in sehr klassischem Stil mit Erfolg eine wunderschöne
Lakewood-Westerngitarre.
Auf der anderen Seite zeigt
Del Castillo äußerst eindringlich, dass man auch eine Konzertgitarre mit Plektrum etwas härter bearbeiten kann...